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Geschichte des LZ Anrath

Im August 1878 lud der damalige Bürgermeister von Anrath, Karl Gierlichs (1844-1887) interessierte Einwohner seiner Gemeinde zu einer Zusammenkunft in die Wirtschaft von Ferdinand Bodewig am Kirchplatz ein. Es handelte sich um die Aufstellung einer Freiwilligen Feuerwehr .

Das Ergebnis war überraschend gut . Die Statuten der Feuerwehr waren vorbereitet und wurden am 18.August 1878 gutgeheißen. 85 Einwohner der Gemeinde erklärten sich durch die Unterschrift zum Eintritt in die Wehr bereit. Nach den Statuten war der Zweck der neuen Einrichtung, ein geordnetes Zusammenwirken bei der Feuersgefahr zu erreichen, um Leben und Eigentum der Bewohner der Gemeinde Anrath und der Umgebung zu schützen. Man sah drei Chefs der Wehr vor, Wilhelm Saßen, K.J. Küschenbach und Michael Hissen. Die Durchführung  des Planes stieß aber auf unerwartete Schwierigkeiten.Man erbat von mehreren Versicherungsgesellschaften, besonders von solchen, die mit Anrather Einwohner Versicherungsverträge abgeschlossen hatten, finanzielle Unterstützung, um die notwendige Ausrüstungsstücke und Gerätschaften für die Feuerwehr zu erlangen.Der Erfolg war gering. Nur eine einzige Gesellschaft wollte einen Beitrag beisteuern.
Die vorherrschende Meinung der Gesellschaft ging dahin, nur dann Zuschüsse an die Feuerwehren zu bewilligen, wenn die dafür beschafften Geräte und Ausrüstungen Eigentum der Gemeinde würde. Sie empfahlen daher eine engere Anlehnung an die Gemeinde und Gemeindeverwaltung, als es nach den bestehenden Statuten vorgesehen war. Damit war der erste Versuch, in Anrath eine Freiwillige Feuerwehr aufzustellen, gescheitert. Bei der ungünstigen wirtschaftlichen Lage sah sich die Gemeinde offenbar nicht imstande, aus eigener Kraft eine hinreichende Ausrüstung der Wehr zu beschaffen. Auf eine Anfrage der Regierung teilte der Bürgermeister 1882 mit, dass bei der ablehnende Haltung der Versicherungsgesellschaften die Gründung einer Feuerwehr nicht möglich gewesen sei. Er zweifelte auch daran, dass zur Zeit geeignete Persönlichkeiten vorhanden wären, die Aufgaben eines tatkräftigen Vorstandes zu übernehmen.Trotzdem versuchte Bürgermeister Leonard Axler (1887-1896), der Nachfolger des Bürgermeisters Gierlichs, 1891 erneut, auf Grund eines entsprechenden Gemeinderatsbeschlusses, die Bildung einer Feuerwehr durchzusetzen.  Auch er wandte sich an dieVersicherungsgesellschaften um Unterstützung des Vorhabens.Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Gemeinde waren durch den Rückgang der Hauswebereien und die Arbeitslosigkeit eines wesendlichen Teiles der Einwohnerschaft so schlecht, dass man auch jetzt an die Einrichtung einer Feuerwehr aus Gemeindemitteln nicht denken konnte. Die Einsicht in diese Umstände veranlasste die Provinzial Feuerversicherungsanstalt, der Gemeinde den Betrag von 1290 Mark zur Verfügung zu stellen. 
Dafür wurden eine Saugspritze mit Zubehör und ein Wasserwagen beschafft. Aber es kam doch nicht zur Aufstellung einer Feuerwehr. Jetzt verhinderte eine Natur-Katastrophe  die Durchführung des Planes. Am 1. Juli 1891 verheerte ein furchtbarer Orkan große Teile der Gemeinde und brachte zahlreiche Einwohner in so großer Not, dass alle verfügbaren Mittel zu ihrer Behebung in Anspruch genommen werden mussten. Da man nun einige Löschgerät aber keine Wehrmänner besaß, behalf man sich damit , dass man bis zu 12 Einwohner, die dazu bereit waren, als Löschhilfe annahmen und ihren Einsatz bei Bränden mit ihnen vereinbarte. Sie erhielte dafür eine Vergütung von zwei Mark je Person und Brandfall. Erst zu Anfang des Jahres 1896 war es endlich möglich, eine Freiwillige Feuerwehr  in Anrath zu bilden. Aus der Einwohnerschaft stellten sich 47 Bürger als Mitglieder zur Verfügung. Sie kamen aus allen Berufen, Handwerker, Gewerbebetreibende, Beamte (sämtliche fünf Lehrer) und Bauern. Die Handwerker als am besten für den vorgesehenen Zweck  geeignete Kräfte waren in der Überzahl.
Die 1878 aufgestellten Statuten wurden mit geringen Änderungen übernommen, da sie auch der 1881 veröffentlichen „Anleitung zur Einrichtung von  Freiwilligen Feuerwehren des Verbandes Rheinischer- Westfälischer Freiwilligen Feuerwehren“ entsprachen .
Der Vorstand der Wehr setzte sich zusammen aus Bürgermeister Axel, Franz Sürder als Leiter der Wehr, Laurens Schmitz als Spritzenführer, Karl Kirsch als Führer der Steigerabteilung, Herman Rütters als Führer der Kuppenfahrer, Heinrich Röben als Führer der Ordnungsmannschaften, und je einem Stellvertreter. Die Gerätschaften der Wehr bestanden in dieser Zeit neben der neuen Saugspritze mit Wasserwagen aus einer alten Druckspritze auf schwerer Pferdekarre, einer vierrädrigen Druckspritze, einer zweirädrigen Beduweschen (in LZ noch funktionsfähig erhalten) Druckspritze mit zwei Schläuchen, 60 Brandeimer und einige Leitern.
Die Freiwillige Feuerwehr Anrath im Gründungsjahr 1896
        
Zur Unterbringung der Gerätschaften stellte die Gemeinde zunächst einen geschlossenen Schuppen am Rande des Hofes der Mädchenschule an der Neersener Straße mit Ausfahrt nach der Seitengasse zur Verfügung. Im Jahre 1904 siedelte man in die ehemalige Kapelle der Schulschwestern neben der Mädchenschule mit großem Tor an der Neersener Straße über. Nach dem verlorenen Krieg ging es vor allem darum die Kosten der öffentlichen Einrichtungen so niedrig wie möglich zu halten, ohne die Einsatzbereitschaft der Wehrmänner zu beeinträchtigen und die Schlagkraft der Wehr zu verringern. Instand- setzung und Ergänzung der Ausrüstung waren erstes Erfordernis für die Zukunft. Der Erfolg dieser Bemühungen zeigte sich beim Silberjubiläum der Wehr im Juli 1921.
 
Die Freiwillige Feuerwehr Anrath beim 25- jährigen Bestehen im Jahre 1921
Damals besaß sie vier fahrbare Feuerspritzen, Hacken- und Strickleitern, zwei Wasserkuppen, einen Rauchschutzapparat, 150 Meter Schlauch, für 35-40 Mannschaften Bekleidungs- und Ausrüstungsstücke, und zwar Arbeitsanzüge und Paradeuniformen. Auf Grund eines Beschlusses des Gemeinderates vom  7. Oktober 1927 erhielt die Wehr ein neues Gerätehaus mit Steigerturm an der Fadheider Straße, das am 16 September 1928 eingeweiht wurde. (heutige Orpheum).
Die Alarmierung der Feuerwehr geschah bis 1919 durch Hornsignale. Die drei Hornisten wohnten in verschiedenen Ortsteilen und waren nach bestimmten Plänen erreichbar.
Um die Alarmierung zu beschleunigen, wurde 1919 auf dem Rathausdach eine Sirene eingerichtet. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde eine weitere Brandsirene auf dem Wohnhaus der Firma Vereinigte Seidenweberrein AG., Jakob-Krebs-Straße, angebracht.
Im Jahre 1923 wurde Nachbarschaftshilfe mit den Feuerwehren Vorst und Willich vereinbart, zu denen später Neersen, Schiefbahn, Osterrath und Süchteln kamen.
Die nationalsozialistische Zeit brachte weitere organisatorische Veränderungen für die Feuerwehr. Durch das Gesetz über das Feuerlöschwesen vom 15.12.1933 erhielt die Wehr eine neue Grundlage. Während die Mitglieder bisher so lange im aktiven Dienst blieben, wie sie wollten und konnten, mussten sie in Zukunft mit Vollendung des 60. Lebensjahres ausscheiden und in die Altersabteilung übertreten.

Feuerlöschpolizei
Fahrzeug der Feuerlöschpolizei Anrath vor dem alten Gerätehaus an der Fadheider Straße. Dieses Fahrzeug wurde in Eigenleistung aus einem PKW zum Feuerwehrfahrzeug umgebaut.
Der Ausbruch des zweiten Weltkrieges 1939 stellte die Wehr vor neuen großen Aufgaben. Ein Teil der Mitglieder wurde nach und nach zum Heerdienst eingezogen. Ihr fehlen schwächte die Einsatzfähigkeit der Wehr . Jüngere und ältere Einwohner sollten die Lücken behelfsmäßig ausfüllen. Als die Fliegerangriffe auf die Nachbarstädte sich häuften, kam die Feuerwehr, die inzwischen Hilfspolizei geworden war, auch zur Bekämpfung der Bombenschäden mehr und mehr zum Einsatz. Wiederholt leistete sie Hilfe in Krefeld, Aachen, Remscheid, Mönchengladbach, Düsseldorf und Köln.
Sie bewies hier ihren Mut, ihre Ausdauer und Zuverlässigkeit, auch unter schwierigsten Verhältnissen. Als in der Nacht vom 8. zum 9. April 1943 eine Luftmine in die mittlere Bahnstraße  fiel, einige Häuser zerstörte und zahlreiche Brandbomben größere und kleinere Brände verursachten, lernten die Feuerwehrleute den Krieg auch in der engeren Heimat kennen. Im ersten Weltkrieg verlor die Wehr drei, im zweiten Weltkrieg auch drei Mietglieder, die im Felde standen.
Wie alle Freiwilligen Feuerwehren traf nach dem Zusammenbruch im Frühjahr 1945 auch die Anrather Wehr die Auflösung. Nach wenigen Wochen ordnete die Militärregierung die Neuaufstellung an. Der Mannschafts- und Gerätewagen der Wehr war von amerikanischen Besatzungstruppen requiriert, aus Anrath weggeführt und bis Hannover mitgenommen worden. Dort benutzte ihn jahrelang die Straßenbahn AG. Erst nach langwierigen Bemühungen von Seiten der Gemeinde erfolgte im Oktober 1949 die Rückgabe.
                                             
LF 8 im Jahre 1949
                                                                                                     
Das LF 8 ehemals Leichtes Löschgruppenfahrzeug mit TSA Baujahr 1943 wurde am Kriegsende von den Amerikanern nach Hannover verschleppt. Nach dem Krieg wurde es dort ausfindig gemacht und in abenteuerlicher Fahrt, geschleppt mit dem Vorkriegs – Krankenwagen ohne Scheiben und ohne Motor, bei Regen nach Anrath zurückgeführt. In der Waggonfabrik Uerdingen  wurde es wieder in Eigenleistung Einsatzfähig gemacht.
Als Chef der Wehr amtierte seit jeher die Bürgermeister, seit 1945 die Gemeindedirektoren als Verwaltungsleiter der Gemeinde: von der Gründung der Wehr bis August 1896 Bürgermeister Leonard Axler, von Oktober 1896 bis 1908 Bürgermeister Jakob Hoster, von 1908 bis 1943 Bürgermeister Heinrich Neusen, von 1946 bis 1956 Gemeindedirektor Franz Techen, von 1956 bis 1970 Gemeindedirektor Peter Titgens.  Als Wehrleiter waren tätig: von 1896 bis 1903 Franz Sürder, von 1903 bis 1934 Hermann Rütters, von 1934 bis 1937 Peter Heyer, von 1937 bis 1948 Heinrich Baaken, von 1948 bis 1968 Albert Spielhofen.
Das Gerätehaus der Feuerwehr, das 35 Jahre in Benutzung war, erfüllte weder räumlich noch technisch die Anforderungen, die an die Unterbringung einer neuzeitlichen Wehr gestellt werden. Deshalb entschied der Gemeinderat mit Bürgermeister Willi Krebs in seiner Sitzung vom 28. Juni 1962, ein neues Gerätehaus an der Fadheider Straße zu errichten. Nach Planung durch das Gemeindebauamt, Bauingenieur Oskar Junga, konnte am 30. November 1962 der Grundstein gelegt werden. Bei Gelegenheit des Kreisfeuerwehrverbandstages 1963 der Freiwilligen Feuerwehren des Kreisverbandes Kempen - Krefeld wird das fertige Haus am 15. September seine Weihe erhalten, fast genau am gleichen Tag, an dem vor 35 Jahren das alte Haus in Benutzung genommen wurde.
Die neue Anlage besteht aus einer eingeschossigen Wagenhalle und einem zweigeschossigen Wohntrakt. Die Halle hat fünf Einfahrtstore an der Fadheider Straße und ebenso viele Ausfahrtstore mit mechanischen Beschläge zur Krefelder Straße.
Der Wohntrakt erhält im Erdgeschoß Wasch- Dusch-, Umkleideraum, Geschäftszimmer und Toiletten, im Dachgeschoß Schulungszimmer und Kleiderkammer. Im Obergeschoß befindet sich die geräumige Wohnung des Gerätewarts mit Gaszentralheizung. Alle anderen Räume können mit Gas in Einzelaußenwandöfen beheizt werden.
                        
                                  
Gerätehaus mit Fahrzeugpark im Jahre 1971
              
Die Fahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr Anrath vor dem Gerätehaus
v.l.n.r.: LLG mit TSA – Mercedes, TSF – Ford,  LF16TS –  TLF 16 – Mercedes,  KTW – Ford
Das Jahr 1969 war ein Jahr des Abschiedes. Durch die kommunale Neugliederung, die die Gemeinden Willich, Anrath, Schiefbahn und Neersen mit Wirkung vom 1.1.1970 zur „Stadt Willich“ zusammenschloss, erlosch am 31.12.1969 die Selbständigkeit der Freiwilligen Feuerwehr Anrath. Geschäftsführer Heinrich Dahmen schrieb nicht ohne Wehmut in seinem Schlusswort:               
 
 „Im Interesse der guten Sache wollen wir künftig als Kameraden des Löschzuges Anrath nach wie vor unsere freiwillige übernommenen Pflichten tun...“
 
Der Löschzug Anrath war in besondere Weise von den Entwicklungen in der Stadt Willich berührt. In einer am 27. August 1970 auf Einladung des Stadtdirektors Hüsers in der Kulturhalle in Schiefbahn stattfindenden Versammlung aller Feuerwehrleute wurde der neue Wehrleiter für die Gesamtwehr der Stadt Willich gewählt. Einstimmig entschieden sich die Anwesenden für die Wahl des Brandmeisters des Löschzuges Anrath, Heinz-Josef Hammes Der Rat der Stadt bestellte H.J. Hammes  anschließend zum Wehrleiter; er trat das Amt mit sofortiger Wirkung an, versprach aber, bis zur Bestellung eines neuen Löschzugführers dem Anrather Löschzug vorstehen zu wollen.
Bei einer außerordentlichen Jahreshauptversammlung am 13.12.1972 entschieden sich die Anrather Feuerwehrleute für Helmut Nöhles als Löschzugführer. Ab 01.01.1973 übernahm Brandmeister Helmut Nöhles die Führung und Verantwortung des Löschzuges Anrath. Dies blieb er bis zum 60. Lebensjahr. Zum 100 jährige Bestehen des Löschzuges Anrath am 18.10.1996 gab er Sein Amt an Hauptbrandmeister Heiner Schmitz ab.
Helmut Nöhles wurde zum Ehren - Löschzugführer ernannt und bedingt durch das Erreichen der Altersgrenze in die Ehrenabteilung des Löschzug Anrath versetzt.