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Geschichte des LZ Schiefbahn

-100 Jahre Freiwillige Feuerwehr-
 
Die Geschichte des Feuerlöschwesens der früheren Gemeinde Schiefbahn ist bisher nicht geschrieben. Die Bedeutung, die die Feuerwehr für das Dorf hatte und die Leistungen, die in diesem so wichtigen Bereich für die Bürgerschaft über viele Jahre erbracht wurden, verdienten es, in einer umfangreicheren Arbeit gewürdigt zu werden, zumal reichliches Quellenmaterial vorliegt. Der vorliegende Bericht kann deshalb im Rahmen einer Kurzfassung nur schlagartige Akzente dieser Historie setzen, die unter dem Motto "Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr" durch den idealistischen Einsatz vieler Freiwilliger gestaltet wurde.
 
 
1. Das Schiefbahner Feuerlöschwesen im vorigen Jahrhundert
 
Feuer und Wasser waren seit undenklichen Zeiten die gefährlichsten Feinde des Menschen, dass man Feuer und Wasser bekämpfen konnte, indem man beide gegeneinander ausspielte, ist uraltes Menschenwissen. Schon die alten Ägypter kannten die Feuerspritze, die Römer verwendeten Schlauchspritzen, in mittelalterlichen deutschen Städten wie etwa in Augsburg (1588) wurden Brandspritzen eingesetzt. Im Allgemeinen versuchte man zumindest in den Dörfern und Weilern mit gefüllten Holz- oder Ledereimern, mit Wurfschaufeln und Feuerhaken des Feuers Herr zu werden. So war es auch in Schiefbahn, wo ein alter Ledereimer im Bestand des Heimatvereins noch von diesen uralten Zeiten Kunde gibt. Der Ausbruch eines Brandes war damals von weitaus schwerwiegenderer Bedeutung für die Menschen als heute, konnte er doch die Vernichtung des ganzen Dorfes, der Ernte und damit der Lebensgrundlagen bedeuten. Häuser, Höfe und Ställe bestanden auf dem Lande fast ausnahmslos aus Eichengebälk mit Stakenwerk, d.h. einer mit geflochtenem dünnen Holzwerk verschmierten Lehmfüllung, und war auch deshalb besonders feueranfällig, weil die zahlreichen Feuerstellen mit Holz und vor allem mit Torf beschichtet wurden. Das offen brennende Feuer zog mit seinem glühenden Rauch durch die Kamine ab und brachte ständig Brandgefahr mit sich. Durch Brandordnungen versuchten die Landesherren immer wieder sicherzustellen, dass zumindest die Kamine ordentlich ausgemauert wurden, die Balken genügend weit vom Kamin lagen und Riet - bzw. Strohdächer durch Dachziegel ersetzt wurden. Jeder Hausbesitzer musste zudem über einen Ledereimer verfügen, mit dem er im Notfall am Brandort einspringen musste, eine selbstverständliche Nachbarspflicht. Diese mündete im 18. Jahrhundert auch in Schiefbahn bereits in erste Reglementierungen ein, als die Gemeindevorsteher einen Zusammenschluss von Männern, die vorwiegend aus dem Schützenwesen kamen, zur Bekämpfung von Feuersbrünsten veranlassten - ein erster Vorläufer der Freiwilligen Feuerwehr. Dass die Notwendigkeit zu einem solchen Zusammenstehen bestand, beweist eine große Feuersbrunst, die am 6. Mai 1784 über Schiefbahn hereinbrach. Der Brand wütete auf der Hochstraße und am Kirchplatz; ihm fielen u.a. das Gemeindehaus, in jener Zeit am Kirchplatz gelegen, ferner die Schule und die Küsterei zum Opfer. Damals war bereits eine Brandspritze vorhanden, die bei dieser Gelegenheit zerstört wurde, wie es heißt, und für die man in Osterath leihweise eine Brandspritze beschaffen musste. Die Gemeinderechnung belegt, dass dem dortigen Brandspritzenmeister dafür 22 Reichstaler gezahlt wurden. Der Schaden an gemeindeeigenen Gebäuden wurde mit 550 Talern angegeben. Ein Jahr später schaffte die Gemeinde dann eine neue Brandspritze an, die bis in den 30er Jahren noch vorhanden war. Aus dem Jahre 1806 ist uns ein weiterer Großbrand bekannt, der sieben Scheunen, viele Stallungen und zwei Häuser vollständig einäscherte. Die Not war damals so groß, dass in den Nachbargemeinden Sammlungen abgehalten wurden, welche allerdings nur 39 Reichstaler und 58 Stüber einbrachten. Das erste "Übungshaus" befand sich am Kirchplatz, wo heute die Bäckerei Pieper, davor Gossens und davor Franz Grips gebaut hatten. Gegenüber befand sich die Gemeindepumpe, auf einer Katasterkarte des Jahres 1811 findet man an ein kleines Gebäude eingezeichnet, welches wahrscheinlich als "Spritzenhäuschen" diente. Es nahm nicht Wunder, dass unter der straffen Regierung Napoleons - bekanntlich stand Schiefbahn von 1794 -1814 unter französischer Herrschaft - dem Feuerschutz eine besondere Bedeutung beigemessen und die Feuerschutzordnungen verbessert wurden. Der Präfekt des Roerdepartements verbot etwa, die Dächer weiter mit Stroh zu decken, es wurden Brandspritzen-Kommandos zusammengestellt und veranlasst, dass Geräte und Spritzenhäuser instand gesetzt wurden. Als der linke Niederrhein preußisch geworden war, wurde diese straffe Haltung fortgeführt, der Gladbacher Landrat von Maercken nahm 1819 persönlich eine Revision der Feuerlöschgeräte seines Landkreises vor. In der Zwischenzeit hatte es jedoch im Jahre 1816 auf der Schiefbahner Hochstraße einen weiteren Großbrand gegeben, bei dem wiederum viele Häuser eingeäschert wurden. Schiefbahn, damals ein "Straßendorf", das sich vom Ingmannshof (Holter) bis zur Enklave am Bökel mit seinen zahlreichen Honschaften kilometerweit hinzog, hatte im vorigen Jahrhundert erhebliche organisatorische Schwierigkeiten, das Feuerlöschwesen schlagkräftig auszubauen. Wie aus dem Gemeinderatsprotokoll vom 1.12.1826 hervorgeht, waren damals bereits zwei Brandspritzen vorhanden, die zentral im Dorf abgestellt waren. Um eine dezentrale Versorgung sicherzustellen, hätte nach Meinung der Gemeinderäte eine weitere Spritze beschafft werden und "Spritzenhäuschen" zumindest im Unterbruch und in der Niederheide erbaut werden müssen, dazu fehlte allerdings das Geld. Zu dieser Zeit ordnete die Königliche Regierung in Düsseldorf an, dass alle Bürgermeister "Feuerlösch- und Nachtwach-Ordnungen" zu erlassen hätten. Für Schiefbahn wurde eine solche am 13.2.1829 erlassen und ein "Brandrat" nominiert, dem der Bürgermeister, dessen Beigeordneter, die Brandmeister Heinrich Strucker, Mathias Grundmanns und H.J. Kothen sowie die "Compagnie-Chefs des Brand-Corps" angehörten. Damals gab es also schon eine kommunale Feuerwehr-Organisation als weiteren Vorläufer der Freiwilligen Feuerwehr. Entsprechend den vorhandenen Spritzen war das Brandcorps in zwei Kompanien eingeteilt, die je zwei Hauptabteilungen und zwei Unterabteilungen mit eigenen Führern umfassten. An der Spitze der ersten Kompanie, die den Bereich einer Dorfhälfte, dazu das Knickelsdorf, Diepenbroich und Niederheide umfasste, stand Wilhelm Hauser mit seinen Abteilungsführer Josef Frantzen und Jakob Krülls, Mathias Mörs und Heinrich Hörmes. Die zweite Kompanie, die die andere Hälfte des Dorfes und das Unterbruch zu betreuen hatte, leitete Heinrich Mertens mit seinen Unterführern Josef Sürder, Carl Sürder, Peter Kiep und Heinrich Hauser. Einheitliche Uniformen gab es damals noch nicht, die Mitglieder der Feuerwehr trugen im Brandfall Armbinden in verschiedenen Farben und mit verschiedenen Nummern. Brandsignal war das "bekannte abgesetzte Anschlagen der Glocke in der Pfarrkirche und das Anblasen des Lärmhorns". Bei diesem "abgesetzten Anschlagen der Glocken" handelt es sich um das unter dem Namen "beiern" bis heute bekannten Brauch, der etwa auch bei der Fronleichnamsprozession neuerdings von der Schiefbahner Feuerwehr wieder ins Leben gerufen wurde. Aus dieser Frühzeit des Schiefbahner Feuerlöschwesens, nämlich aus dem Jahre 1834, soll auch die älteste noch erhaltene Feuerspritze stammen, die 1981 mit viel Liebe wieder hergerichtet wurde. Bei dem alten "Düvel", wie die Spritze nach dem Aussehen der Hebelköpfe genannt wurde, handelt es sich um eine Zwei-Kolben-Pumpe, mit einer 200 Liter Wasser fassenden Kupferwanne mit Schmutzfänger, Deichsel und einem eichenen Hebeteil, an dem vier Männer aus Leibeskräften pumpen mussten. Die so genannten "Brandcorps" bestanden aus der gesamten männlichen Bevölkerung vom vollendeten 18. bis vollendeten 60. Lebensjahr. Wer im Ort einer Aufforderung zur Hilfeleistung nicht nachkam, konnte mit einer Geldbuße bis zu 50 Talern oder Gefängnis bis zu 6 Wochen bestraft werden. Im Brandfalle konnte die Feuerwehr Pferde beschlagnahmen, um die Brandspritzen zur Brandstelle zu transportieren. Wie hart man gegebenenfalls durchgreifen konnte, ist aus dem Hinweis ersichtlich: "Kinder und müßige Zuschauer müssen von der Brandstätte wegbleiben und werden die durch ihr Betragen Unordnung stiftenden oder böse Absichten verdächtigten Personen ohne weiteres verhaftet. Auch aus dem Jahre 1863 liegen uns Unterlagen über die Zusammensetzung der Schiefbahner Feuerwehr vor. Danach waren neben Bürgermeister Speckmann die Brandmeister Heinrich Röttges und Heinrich Imlintz sowie die Kompaniechefs Heinrich Mertens und Mathias Sürder Leiter der Ortsfeuerwehr. Führer der ersten Kompanie war Heinrich Mertens, dem Andreas Jennen und Heinrich-Jakob Franken zur Seite standen, die zweite Kompanie wurde von Mathias Sürder mit Wilhelm Gather und Johann Krichen geführt. Michael Grundmanns, Engelbert Textoris, Heinrich Wierichs und Josef Hoeren, Wilhelm Heyer, Josef Kothen, Heinrich Menzen, Mathias Thyssen, Peter Ipers, Anton Wolf, Mathias Schinkels, Andreas Röttges, Mathias Növer, Hubert Bustin, Johann Mertens, Gregor Neuhausen, Andreas Kambergs, Anton Kaiser, Heinrich Clören, Heinrich Ipers, Franz Strukken, Josef Orth, Heinrich Tillmanns und Wilhelm Rath gehörten damals der Feuerwehr an. Zuvor war am 22.8.1842 ein weiterer Großbrand im Dorf ausgebrochen. Dabei ging unter anderem die gesamte Häuserzeile, die bereits beim großen Brand von 1816 den Flammen zum Opfer gefallen war, erneut in Flammen auf. Alle Männer des Dorfes waren zur Bekämpfung dieses Brandes aufgeboten worden, der die ganze Nacht loderte. Sogar die alte Kirche war in Gefahr. Die Not war so groß, dass der damalige Vikar Jucken das Allerheiligste aus der Kirche trug und den Segen gab. Der Volksmund wusste zu berichten, dass das Feuer dadurch nachgelassen hätte und nicht mehr weiter um sich griff. Sei dem, wie es sei, bei der zunehmenden Bevölkerungsdichte blieb es nicht aus, dass die Schaffung eines geordneten Feuerlöschdienstes immer dringlicher und eine grundsätzliche Regelung unabweisbar wurde.
 
2. Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Schiefbahn
 
Am 22. März 1882 erließ die Königliche Regierung in Düsseldorf eine Verfügung, wonach eine gleichmäßige Regelung des Feuerlöschwesens angeordnet wurde. Als besonders wünschenswert wurde die Bildung Freiwilliger Feuerwehren bezeichnet. Jährlich mussten von da an zwei Spritzenproben, eine im Frühjahr, die andere im Herbst, durchgeführt werden, deren Resultat der Regierung mitzuteilen war. Auch der damalige Schiefbahner Bürgermeister Ernst Coupes, der von 1874 - 1885 die Geschicke des Dorfes leitete, machte sich nun entsprechend der regierungsbehördlichen Auflage daran, eine Freiwillige Feuerwehr aufzubauen. In Neuwerk und Korschenbroich zog er Erkundigungen ein, da in diesen Orten bereits Feuerwehren bestanden. Eine Revision am 24.6.1882, zu der er als Sachverständige den Sattler Peter Ippers und den Schreiner Heinrich Kamper zuzog, ergab, dass 8 Feuerwehrleute, 3 Fahrspritzen, 1 Handspritze, 69 m Schlauch, 20 lederne und 10 hanfene Feuereimer, 2 Feuerleitern und 2 Feuerhaken zur Verfügung standen, wobei entsprechend einer Straßenordnung aus dem Jahre 1840 "bei entstehendem Feuerlärm aus jedem Haus wenigstens eine erwachsene Person mit einem Eimer versehen zur Brandstätte eilen musste, daselbst mit Ordnung und nach Kräften zum Löschen des Brandes oder zu anderen notwendigen Verrichtungen beitragen und den Anordnungen der Polizeibehörde oder sonst damit beauftragten Personen willigst und schleunigst Folge leisten musste." Das Interesse der Bevölkerung an dieser ersten Wehr scheint nicht besonders groß gewesen zu sein, denn nach dem Tode von Ernst Compes zerfiel sie wieder. Erst unter seinem Nachfolger im Amt, Kaspar Voß, wurde der Aufbau einer Freiwilligen Feuerwehr energisch vorangetrieben. Trotzdem Kaspar Voß, der aus Westfalen stammte und am 1. 10. 1885 die Bürgermeisterei Schiefbahn übernahm, erst 30 Jahre alt war und die Gemeinde Anfang 1890 schon wieder verließ, um Bürgermeister von Dülken zu werden, nur wenige Jahre hier wirken konnte, gab er dem Dorf wesentliche Impulse. So gelang es ihm etwa, die Krefelder Firma Deuß & Oetker nach Schiefbahn zu holen, er sicherte damit den verarmten Handwebern ihre wirtschaftliche Zukunft. Kaspar Voß ist der Begründer der Freiwilligen Feuerwehr und war ihr erster Leiter. Voß verstand es, einflussreiche, aber auch verantwortungsvolle Schiefbahner Bürger für die Sache zu interessieren und machte sich umgehend daran, Statuten einer Freiwilligen Feuerwehr zu erstellen, die der Regierung in Düsseldorf zur Anerkennung vorzulegen waren. Bereits am 14. November 1886 unterschrieben 19 Bürger die mehrfach überarbeitete Fassung und legten damit die Grundlage für die örtliche Feuerwehr. Unterschrieben wurden diese Statuten von: Heinrich Mertens, Johann Ditges, Louis Kaufmann, Eugen Franzen, Joseph Gerkhausen, Heinrich Kaiser, Lorenz Grips, Peter Kirschbach, Michael Leven, Hubert Sürder, Heinrich Kamper, Siegmund Sürder, Johann Kröll, Johann Becker, J. Orth, Johannes Wehseler, Franz Heyes, Heinrich Tillmanns und M. Goertz. Es lohnt sich, einen Blick auf diese Statuten zu werfen, da diese aufschlussreiche Hinweise über Organisation und Zielsetzungen der Freiwilligen Feuerwehr zu Schiefbahn geben. § 1 sei wörtlich zitiert: "Die Freiwillige Feuerwehr zu Schiefbahn tritt mit dem 1. Dezember 1886 ins Leben, und haben nur Leute, die über 17/18 alt sind, Zutritt zu derselben. Sie ordnet sich den Befehlen des Bürgermeisters resp. seines gesetzlichen Stellvertreters unter." Die Statuten sahen eine Aufteilung in vier Abteilungen vor: Spritzenmannschaften einschließlich Pumper und Schlauchhalter; Kufenfahrer, welche das Wasser herbeischaffen mussten; Rettungsmannschaften, die sich aus Steigern und Leiterträgern zusammensetzten und Ordnungsmannschaften, die die Ordnung auf der Brandstätte aufrechterhalten mussten. Mitglied konnte ein unbescholtener Bürger nur durch die "Ballotage" werden. Dabei handelt es sich um ein heute in Vergessenheit geratenes Wahlverfahren, bei dem in geheimer Abstimmung mit weißen oder schwarzen Kugeln entschieden wurde, ob der Aspirant aufgenommen werden sollte. Bei der Ballotage entschied die absolute Stimmenmehrheit der Anwesenden bei der Vereinsversammlung. Dem Korpsführer und den Abteilungsführern und deren Stellvertretern konnte die "Qualität von Polizeibeamten" beigelegt werden. An der Spitze der Feuerwehr stand der Vorstand, der aus dem Korpsführer, dessen Chef und den Führern der vier Abteilungen bestand. Der Korpsführer unterstand wiederum der oberen Leitung des Bürgermeisters. Der neu gebildeten Feuerwehr wurden die gemeindeeigenen Spritzen und Geräte überlassen, für die Unterhaltung hatte die Gemeinde zu sorgen; dafür war die Feuerwehr gehalten, wenigstens zweimal im Jahr Spritzen-Proben und Feuerwehrübungen durchzuführen. Der Mitgliedsbeitrag betrug halbjährlich 25 Pfennig - eine für damalige Verhältnisse nicht geringe Summe. Nachdem die Statuten von den 19 Gründungsmitglieder unterschrieben waren, ging es nun Schlag auf Schlag: Nur zwei Tage später, am 16.11.1886, beantragte Bürgermeister Voß beim Königlichen Landrat in Mönchengladbach die Bildung einer Freiwilligen Feuerwehr, "um einem schon lange empfundenen und bei den verschiedenen Bränden der letzten Jahre wiederholt zutage getretenen Bedürfnisse Abhilfe zu verschaffen, und andererseits geleitet von der Überzeugung, dass nur von wohl organisierten Feuerwehren, die unter einheitlichem Kommando durch fortgesetzte Übungen sich zu einem sicheren Ineinanderarbeiten heranbilden, mit Erfolg einem Brande entgegengetreten werden kann". Voß beantragte insbesondere, die Führer der jungen Wehr mit dem Beamtenstatus auszustatten. Am gleichen Tag wandte er sich auch an die Rheinische Provinzial-Feuersozietät, um eine Beihilfe zur Beschaffung von Feuerlöschgeräten zu erhalten. Dieses Schreiben gibt uns Aufschluss über den damaligen Bestand an Feuerlösch-Geräten, der aus drei Feuerspritzen mit 69 m Schlauchlänge, zwei Feuerleitern und zwei Feuerhaken bestand. Voß wollte diese Ausrüstung um drei Wasserwagen und verschiedene Steiger und Rettungsgeräte ergänzen. Er führte aus, dass die Bewohner Schiefbahns zum größten Teil Seidenweber und kleinere Landwirte seien, die in den untersten Klassen-Steuerstufen versteuert wurden, und die Gemeinde daher nicht in der Lage sei, diese Geräte allein aus eigenen Mitteln zu beschaffen. Voß fuhr dann wörtlich fort: "Da bei der verehelichen Direktion aus hiesiger Gemeinde ein namhafter Teil an Häusern und Mobilien versichert ist, so dürfte wohl dieselbe an der Bildung und dem Fortbestehen der Feuerwehr ein besonderes Interesse haben und erlaube ich mir daher ganz ergebenst zu bitten, der Gemeinde Schiefbahn zur Beschaffung der eingangs erwähnten Feuerlöschgeräte einen Zuschuss zu bewilligen". Voß hielt auch die Beschaffung von Uniformstücken für erforderlich, "da ja erfahrungsgemäß eine Feuerwehr namentlich auf dem Lande ohne die Einführung äußerlich erkennbarer Abzeichen der Zusammengehörigkeit der Interessenten und der von derselben bekleideten Chargen und Garden absolut unausführbar ist." Bereits am 19. November 1886 wurde in einer öffentlichen Bekanntmachung am Bürgermeisteramt die Gemeinde auf die Bildung der Freiwilligen Feuerwehr hingewiesen. Chef der Feuerwehr wurde der Bürgermeister selbst, sein Stellvertreter der 1. Beigeordnete Heinrich Mertens. Führer der Spritzenmannschaften wurde Heinrich Tillmanns, Führer der Rettungsmannschaften Josef Gerkhausen, die Ordnungsmannschaften leitete Johann Ditges, Führer der Kufenfahrer wurde Franz Heyes, Schrift- und Rechnungsführer Siegmund Sürder. Der Bürgermeister rief alle männlichen Einwohner, welche das 17. Lebensjahr erreicht hatten, auf, der Freiwilligen Feuerwehr beizutreten. Dieser Aufforderung sind die Schiefbahner damals mit Begeisterung gefolgt, denn im Frühjahr 1889 zählte man bereits 45 Feuerwehrleute, im Herbst des gleichen Jahres war die Wehr auf 50 Mann angestiegen. Wie notwendig allerdings diese Selbsthilfeeinrichtung der Bürgerschaft war, geht aus den Einsätzen hervor, die die junge Wehr durchführte. So brannte im Jahre 1885 das Wohnhaus der Geschwister Heyes an der Kirche während des Hochamtes ab, etwa um die gleiche Zeit der Hülser Hof im Knickelsdorf und dort auch 1890 das Wohnhaus Brockers. Im Unterbruch ging der Vennerhof (später Heintges) ebenso in Flammen auf wie das Zelt der Wirtschaft von Anton Kaiser, das Wohnhaus von Franz Helten und der Hof von Lorenzen. Die Feuerwehr erwies sich damals im Übrigen bereits als äußerst trinkfest, denn in einem Protokoll heißt es, das bei einem gemütlichen Beisammensein 99 Liter Bier vertilgt wurden! Bürgermeister Voß wurde am 24.11.1889 zum Ehrenfeuerwehrchef auf Lebenszeit ernannt, er ist 1919 gestorben. An seine Stelle trat Bürgermeister Wilhelm Wirtz, der über lange Jahre Feuerwehrchef blieb. Bis zum Jahre 1900 hielt Franz Heyes die Wehr zusammen, dann leitete Siegmund Sürder diese bis 1902, der aber ein Auseinanderfallen nicht verhindern konnte, so dass man schließlich nur noch mit 7 Mann dastand. Erst als durch eine Verordnung des Oberpräsidenten über die Regelung des Feuerlöschwesens die Gemeinden aufgefordert wurden, schlagkräftige Wehren aufzubauen, nahm sich der Schiefbahner Gemeinderat der Sache an und beauftragte den Bürgermeister, die Freiwillige Feuerwehr neu zu beleben und auch entsprechend auszurüsten. Der Gemeinderat stellte damals 500 Mark zur Verfügung, von denen 355 Mark unmittelbar der Feuerwehrkasse zuflossen. Bürgermeister Wirtz, der in seinen übrigen Amtsbereichen außerordentlich tatkräftig war, widmete nun sein Augenmerk der Feuerwehr. In einer Versammlung, die am 15. Juli 1907 stattfand, traten allein 33 Männer wieder in die Feuerwehr ein, Stellvertreter des Bürgermeisters und damit zuständig für die Feuerwehr wurde Peter Tillmanns, Führer der Steiger- und Rettungsmannschaft Anton Bertzen, der spätere Wehrleiter. Die Ordnungsabteilung leitete Hermann Rath, die Wasserabteilung Wilhelm Hohnen und die Spritzenabteilung August Schinkels. Im Jahre 1907 erhielten dann die Schiefbahner Feuerwehrleute auch erstmalig eine neue blaue Uniform, nachdem sie zuvor ihren Dienst in weißen Kitteln versehen hatten. Im Jahre 1908 übernahm Brandmeister Heinrich Schroers die Leitung der Wehr, die unter seiner Führung einen gewaltigen Aufschwung nahm. Es wurden 9 neue Feuermeldestellen geschaffen, die mit einer Hupe zum Feuermelden ausgerüstet waren. Eine eigene Feuerwehrkapelle wurde nicht gebildet, weil die alte Wehr schlechte Erfahrungen damit gemacht hatte. Diese war von Christian Orth dirigiert worden, der auch Leiter des Kirchenchores war. Stellvertretender Wehrleiter unter Heinrich Schroers, der sein Amt nur bis 1913 bekleiden konnte, wurde Peter Tillmanns, der sein Amt auch unter dem von 1913 - 1923 tätigen Brandmeister Peter Kirchkamp bis 1922 behielt. In einem Schriftsatz aus dem Jahre 1908, der den Fabrikmeister Heinrich Schroers und den Bierbrauer Peter Tillmanns als "Personen von makelloser Führung und gutem Ruf" bezeichnet, geht hervor, dass der Löschzug aus 50 Mann bestand! Damals muss der Zulauf zur Freiwilligen Feuerwehr enorm groß gewesen sein, heißt es doch in einem Gemeinderatsprotokoll vom 4.2.1909, dass die Gemeinde 50 Mitglieder als ausreichend ansieht und nicht bereit ist, für weitere Feuerwehrleute Ausrüstungen zu beschaffen. Kurze Zeit später war eine Minderung der Mitgliedsstärke unfreiwillig durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 gegeben: Viele Feuerwehrleute wurden eingezogen, viele kehrten verwundet und angeschlagen zurück, es fielen die Feuerwehrmänner Hubert Kröll und Gustav Wesseler. Kurz nach dem 1. Weltkrieg erhielt die Schiefbahner Feuerwehr Handdruckspritzen und weiteres Schlauchmaterial; die neuen Spritzen standen im Unterbruch, Niederheide und in Klein-Jerusalem. Feuerwehrgerätschaften waren auch untergebracht im Gerätehaus auf dem Hof der alten Schule am Kirchplatz. Mit der Besetzung des Rheinlandes und auch Schiefbahns durch französische bzw. belgische Truppen begann eine besondere Leidenszeit für die Feuerwehren. Es wurden beschränkende Bestimmungen erlassen hinsichtlich der Organisation und auch der Durchführung von Übungen, darüber hinaus sollten die Feuerlöschzüge um die Hälfte der Mannschaftsstärke vermindert werden. Trotz Nachkriegswirren und Inflation und allgemeiner Not verstand es Brandmeister Kirchkamp jedoch geschickt, die Wehr durch die Wirren der Zeit zu führen, in einem feierlichen Akt wurde am 3.8.1923 sogar noch eine neue Handdruckspritze in Dienst gestellt. Ein Jahr zuvor waren bereits die beiden ältesten Spritzen mit einem Kostenaufwand von 8200 Mark ausgebessert worden; der Gemeinderat hatte der Feuerwehr darüber hinaus einen Zuschuss von 1000 Mark gewährt. Im gleichen Jahr stellte Peter Kirchkamp dann allerdings sein Amt zur Verfügung - die Freiwillige Feuerwehr Schiefbahn war verwaist, stand ohne Wehrführer da!
 
3. Standartenweihe im Sommer 1925
 
Was kaum zu erwarten war, trat nach dem Rücktritt von Brandmeister Peter Kirchkamp ein. Junge Kräfte regten sich in der Feuerwehr, kamen mit neuen Ideen und setzten diese auch mit Erfolg durch. Am 7. 8. 1924 übernahm Anton Bertzen das Amt des 1. Brandmeisters, sein Stellvertreter wurde Willi Kothen. Aber lesen wir zu dieser Entwicklung und zu einer allgemeinen Euphorie, die damals die Wehr erfasste, auszugsweise einen Bericht, den der damalige Schriftführer Jakob Kivelitz anlässlich des 37. Stiftungsfestes (in Wirklichkeit war es bereits das 38. Stiftungsfest, denn das Gründungsjahr ist 1886 und nicht, wie auf der später hergestellten Fahne zu lesen und bei den folgenden Jubiläumsfeiern zu hören, 1887) verfasste: "Die Vorarbeiten zum Stiftungsfest (1924) in Verbindung mit dem 7. Ordentlichen Kreisverbandstage, welche infolge der verworrenen Verhältnisse hier nicht abgehalten werden konnte, waren im Gange, und da die Arbeitslosigkeit mit allgemeiner Geldknappheit noch sehr groß war, die Veranstaltung aber nicht weiter verschoben werden konnte, war man im Vorstande der Wehr der Ansicht, das Fest am 31. August 1924 so einfach wie möglich zu gestalten und von einem Festbankett am Vorabend gänzlich abzusehen. Hiergegen aber nahm Kamerad Jakob Helten mit mehreren anderen Kameraden entschieden Stellung und setzte sich für die Gestaltung eines großzügigen Festbankettes ein, dessen finanzieller Ertrag einen Fonds für die Beschaffung einer Standarte bilden solle. Ebenso sollte ein etwaiger Festüberschuss diesem Fond zugute kommen. Wenn der Vorstand diesen Optimismus auch nicht teilte, so kam man doch den sturm- und drangvollen Köpfen entgegen und arrangierte die fragliche Veranstaltung, welche durch den regen Sammeleifer und Vorverkauf von Programmen seitens der betreffenden Kameraden nicht nur den Festkommers, sondern das ganze Fest auf eine sichere finanzielle Grundlage stellte. Die so genannten Optimisten hatten in allen Teilen Recht behalten, und trotz des denkbar schlechten Wetters warf das Fest einen recht ansehnlichen Überschuss ab, den auch jeder dem Standartenfonds recht gerne überließ. Als nun auch der hochwürdige Herr Pfarrer Küpper in seiner Ansprache beim Festbankett die Standartenfrage anschnitt und einen warmen Appell an die Damen richtete, der Feuerwehr ein solches Zeichen zu stiften, oder doch wenigstens das ihre zur Beschaffung eines solchen beizutragen, da war der Gedanke an den baldmöglichsten Besitz einer Standarte bei allen Kameraden akut geworden und mit Energie wurde diese Frage in allen Vorstandssitzungen und Versammlungen ein Gegenstand der Unterhaltung. Schreiber dieses, selbst ein Pessimist bis unter die Haare, begeisterte sich nun ebenfalls für die Sache und setzte sich kurzerhand mit der Bonner Fahnenfabrik in Verbindung, welche mit Offerten nicht lange auf sich warten ließ. "Man wurde sich schnell mit der Fahnenfabrik einig, die spätestens bis zum 1. Mai 1925 die gewünschte Standarte zum Preis von 750 Mark herstellen wollte, "dagegen macht sich der Wehrvorstand zur Pflicht, mit seiner Ehre und der Wehr für die restlose ... Beschaffungssumme einzutreten." Wenn auch die Mittel spärlich flossen und auch sonst zunächst kein guter Stern über der Veranstaltung zu schweben schien, ging letzten Endes doch noch alles gut, so dass der Chronist schreiben konnte: "So wollen wir uns denn unserer neuen Standarte von Herzen freuen. Unter den schwierigsten wirtschaftlichen Verhältnissen haben wir in zäher Arbeit und Sparsamkeit die Beschaffung ermöglicht, um nicht nur uns, sondern auch einer späteren Generation als Symbol der Einigkeit, Kameradschaft und Treue voran getragen zu werden. Ferner soll sie ein Zeichen wärmster Heimat- und Vaterlandsliebe sein. In ihrer kostbaren Aufmachung soll sie an Schönheit und Qualität in der engeren und weiteren Umgebung ihres Gleichen nicht haben und ein Prunkstück sein, auf das nicht nur die Wehr, sondern auch die ganze Gemeinde mit recht Stolz sein darf. Mögen die Kameraden jetzt und später nie vergessen, mit welchen Gefühlen wir ihren Eintritt ins Dasein begleiteten... Ihre Einweihung bzw. Enthüllung vollzog . . . Branddirektor Nießen aus Viersen. Ihr erster Träger war Kamerad Johann Eßer mit den beiden ältesten Wehrkameraden Christian Mylius und Johann Schmitz als Fahnenjunker. "Jakob Kivelitz schloss seinen Bericht: "Und nun Gott mit dir', du stolzes Zeichen unserer Einigkeit und Treue. Begleite die Wehr auf allen ihren Wegen in guten wie in bösen Tagen. Gehe uns voran und führe uns dem Glück und der baldigen Freiheit unserer lieben rheinischen Heimat entgegen. (Anmerkung des Verfassers: Am 31. 1. 1926 zog die belgische Besatzung ab) Wie deine Spitze nach oben zeigt und uns der alte Wehrspruch entgegenleuchtet; so wollen auch wir im lebendigen Vertrauen auf Gottes ewiger Vatergüte arbeiten als aufrechte, deutsche Männer und Jünglinge zu des Allerhöchsten Ehre und Schutze des Höchsten, so dass wir nach Goethes Wort stets sein werden: Edel, hilfreich und gut!' Das walte Gott! "Das damals 38. Stiftungs- und zugleich Standartenweihfest fand am 9. Mai 1925 im Saale von Carl Holtz statt. Damals waren unter dem 1. Brandmeister Anton Bertzen und dem z. Brandmeister Willy Kothen 44 aktive Mitglieder in der Freiwilligen Feuerwehr Schiefbahn. Die so emphatisch gerühmte Standarte hat auch den II. Weltkrieg überstanden und schmückt heute den Versammlungsraum des neuen Feuerwehrgerätehauses, nachdem sie im Jahre 1980 grundlegend restauriert wurde.
 
4. Der II. Weltkrieg - Bewährungsprobe für die Feuerwehr
 
Das Jahr 1933 leitete auch eine neue Ära im deutschen Feuerlöschwesen ein. Bereits am 30. August 1933 wurde die Gleichschaltung der Feuerwehren verfügt; am 15.12.1933 brachte ein neues "Gesetz über das Feuerlöschwesen" die erste einheitliche Rechtsgrundlage für den Feuerschutz. Danach wurde den Freiwilligen Feuerwehren Vereinscharakter zuerkannt, Vereinszweck war die Bekämpfung von Feuersgefahren. Da dieser Vereinscharakter, jedoch den Organisationsvorstellungen des Dritten Reiches entgegenlief, wurden 1938 durch ein weiteres Gesetz die Feuerwehr-Vereine mit der Begründung aufgelöst, dass die wachsende Bedeutung des Feuerlöschwesens vor allem für den Luftschutz es erfordere, dass schon die friedensmäßige Organisation hierauf abgestellt werde. Deshalb hielt man es für nötig, eine straff organisierte, vom Führerprinzip geleitete und reichseinheitlich gestaltete, von geschulten Kräften geführte Polizeitruppe unter staatlicher Aufsicht zu schaffen. Damit wurde die Feuerwehr in eine uniformierte Sparte der Volkszugspolizei, die so genannte Feuerschutzpolizei, umgewandelt. Personell blieb jedoch bei der Freiwilligen Feuerwehr Schiefbahn alles beim Alten; Anton Bertzen blieb Wehrleiter bis zu seinem Tode am 28.6.1948, sein Stellvertreter Willy Kothen blieb ebenfalls im Amt. Im Jahresbericht 1934 finden wir noch eine Würdigung dieser beiden Wehrführer, in der es heißt, dass die Wehr seit 1925 einen kolossalen Aufschwung genommen hätte und dieser große Fortschritt zum größten Teil diesen beiden Kameraden zu verdanken sei, die "mit Zuversicht und größter Umsicht das Steuer des damals führerlosen Wehrschiffes in ihre Hände nahmen, um es wieder in richtige Bahnen zu lenken." Im Jahre 1935 bekam die Wehr ihre erste Kleinmotorspritze, die 1937 bei der Anschaffung eines Magirus-M-10-Wagens eingetauscht wurde. Das Fahrzeug diente als Geräte- und Mannschaftswagen und war mit einer Motorspritze ausgestattet: Die große Bewährungsprobe auch für die Freiwillige Feuerwehr Schiefbahn kam im II. Weltkrieg. Der Großteil der aktiven Feuerwehrleute wurde schon bald nach Kriegsbeginn eingezogen, die entstandenen. Lücken sollten aus den Reihen der Jugendlichen geschlossen werden. Bereits am 28.6.1939 hatte der Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei mit dem Reichsjugendführer eine Vereinbarung getroffen, die die Heranziehung von Mitgliedern der "Hitlerjugend" zum Feuerwehrdienst vorsah. Danach sollte die "Hitlerjugend" nach Bedarf Hilfskräfte für den Feuerlöschdienst zur Verfügung stellen. Das Mindestalter wurde auf 15 Jahre festgesetzt, die Körpergröße sollte mindestens 1,65 m betragen. Nachdem bereits 1940/41 die ersten Bomben gefallen waren, forderte in einem weiteren Runderlass vom 9. April 1941 der Reichsführer SS dazu auf, dass mit allem persönlichen Einsatz von Hitlerjugend und zu verpflichtenden Volksgenossen die Freiwilligen Feuerwehren mindestens auf dem Vorkriegsstand zu haken seien. Für die Schlagkraft der Freiwilligen Feuerwehren machte der Erlass in erster Linie die Bürgermeister und Ortspolizeiverwalterverantwortlich. Bei Versagen sollten in jedem Fall die Ursachen geprüft und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Wenn sich auch, wie in Schiefbahn, zahlreiche "Hitlerjungen" freiwillig zum Dienst in der Feuerwehr bereiterklärten, so konnten die Bürgermeister darüber hinaus auch weitere Jugendliche durch Verpflichtungsschein zum Dienst in der Feuerwehr heranziehen. Bei Weigerung konnte ein Zwangsgeld oder Haft angedroht werden. Eine Reihe von Namen Jugendlicher, die damals unter schwersten Bedingungen und über Jahre hinweg die Freiwillige Feuerwehr Schiefbahn verstärkten und unter Leitung des Kameradschaftsführers der HJ. Hermann Kaufmann, später von Willi Theißen standen, ist überliefert: Franz Dohmen, Gustav Geiger, Heinz Zensen, Jakob Orth, Heinz Kamper, Willi Hoebus, Josef Thyssen, Herbert Schmithuysen, Willi Hartings, Johannes Heinen, Werner Braun, Peter und Toni Engels, H. Schlösser, Josef Töller, Karl Helten, Peter Thissen, Hans Bendt, Albert Bertzen, Willi Schäfer, Fritz Meyer, Franz Kivelitz, Willi Knuppertz, G. und H. Rust, Karl Steinfels, Willi Hagemann, - sie alle gaben ihr Bestes, um Tag für Tag, Nacht für Nacht in Alarmbereitschaft zu sein, Bergungs- und Rettungsarbeiten durchzuführen, bereitzustehen, wenn wieder einmal Bomben gefallen waren. Jakob Helten, lange zuvor schon aktives Mitglied der Feuerwehr, hatte die Aufgabe übernommen, die "Hitlerjungen" auszubilden und zu betreuen. Bei Bombenangriffen auf Krefeld, Köln, Mönchengladbach, Wuppertal und Aachen gab es Einsätze, die das Letzte forderten. Während sich ein großer Teil dieser Jugendlichen Nacht für Nacht im Rathaus, wo man in Eigenhilfeeinen Betonbunker gebaut hatte, in Alarmbereitschaft aufhielt, waren vier Mann ständig im Krankenhaus, um bei Fliegeralarm Kranke und Alte herunter zutragen. Mit einem handgezogenen Wagen ging es oft hinaus, wenn es galt, bei Einsätzen irgendwozu helfen. Im Jahre 1943 war eine weitere Auffüllung der Freiwilligen Feuerwehren dringend notwendig geworden, damals wurden auch in Schiefbahn Handwerker, Bauern, zurückgestellte Industriearbeiter zum Feuerlöschdienst mit herangezogen. Die ständige Verschärfung des Luftkrieges in den Jahren 1943/44, die Luftalarme, die bis Ende Januar 1945 Nacht für Nacht gegeben wurden, ließen keine Atempause mehr zu. Waren es im Jahre 1943 in unserer Gegend noch 375 Fliegeralarme von 327 Stunden Dauer gewesen, so verschärften sich die Terrorangriffe auf die Zivilbevölkerung 1944 in ungeheurem Maße. Im September 1944 etwa wurde 104-mal Fliegeralarm gegeben, im Oktober des gleichen Jahres 117-mal. Das Jahr 1944 sah insgesamt 958 Alarme mit einer Dauer von 945 Stunden - eine heute kaum fassbare Zahl, die aber keineswegs die Leiden der Bürger, aber auch die Anstrengungen der ständig in Alarmbereitschaft befindlichen Feuerwehr verdeutlichen kann. Das Kriegsende brachte für Schiefbahn aber noch einmal alle Schrecken eines grausamen Krieges mit sich, als dieser Ort zum schrecklichen Mittelpunkt eines Panzerkampfes wurde. Amerikanische Truppen waren in der Nacht vom 22. auf den 23. Februar 1945 an der Roer zwischen Jülich und Düren mit 14 Divisionen zum Vorstoß auf den Rhein angetreten. Diese gewaltige Armada stand wenige Tage später, am 28. Februar 1945, vor Mönchengladbach. Die Stadt, in der noch große Teile deutscher Truppen vermutet wurden, sollte umzingelt werden; ein Angriffskeil wurde nördlich an Mönchengladbach vorbeigeführt und stand am Abend des gleichen Tages in Höhe Viersen/Anrath, ein zweiter Keil schob sich über Wickrath/Odenkirchen/Korschenbroich nach Schiefbahn vor. Um den Deutschen den Rückzug aus Mönchengladbach/Rheydt zu ermöglichen, wurden Teile der deutschen Panzerlehrdivision eingesetzt, die das bereits besetzte Schiefbahn zurückeroberten und den Kessel "offen halten" sollten. Es entspann sich ein unerhört hartes Nachtgefecht, die ganze Dorfmitte und der Kirchturm waren taghell von Flammen erleuchtet. Brennende Panzer und Fahrzeuge standen wie große Fackeln auf den Straßen. Vor dem Hause des Friseurmeisters Koch war ein Munitionswagen getroffen worden und nun explodierten in unaufhörlicher Folge Granaten und Leuchtspurmunition. Da der Wind ungünstig stand, drohte das Feuer auf die anliegenden Häuser überzugreifen. Schreie kopfloser Frauen und schmerzliche Rufe verwundeter und sterbender Soldaten drangen durch die Nacht. Bis in den Keller des Pastorats, in der die Nachbarschaft Zuflucht gefunden hatte, drangen die Hilferufe der Verletzten. Einige Nachbarn hatten früher bereits zu helfen versucht, aber bald einsehen müssen, dass nichts auszurichten war. Jetzt machten sich die Feuerwehrleute Schuhmachermeister Brocker und Bäckermeister Schmithuysen, gedrängt von den Bitten der Frauen im Keller und begleitet von Herbert Schmithuysen und Albert Rahm, 15jährigen Feuerwehrhelfern, auf den Weg, um aus der alten Schule den Feuerwehrwagen zu holen und das Haus von Koch zu löschen. Amerikanische Soldaten bildeten auf der Straße zwischen Pastorat und Kirche eine dichte Kette und feuerten auf alles, was sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite zwischen dem Gasthof Schwan und dem Geschäft Beschoten zeigte. Wie es geschah, dass man die vier Feuerwehrleute, die Stahlhelm und Uniform trugen, ohne weiteres durchließ, ist bis heute ungeklärt. Jedenfalls hoben die Männer an der Schule, da der Schlüssel fehlte, das große Tor aus den Angeln. Schmithuysen setzte sich ans Steuer der Brandspritze und so fuhren sie unter dem aufreizenden Gellen der Handglocke in Richtung Kirchplatz ab, um das Haus Koch zu löschen. Sie gelangten jedoch nicht dahin, da sie plötzlich unterwegs sahen, dass auch der Bauernhof Mertens in Flammen stand. Obschon der Bauer sie aufforderte, keine Löschversuche zu unternehmen, da das ganze Haus voll kämpfender Soldaten sei, hielten sie an. Als die Schläuche angelegt werden sollten, erhielt der junge Herbert Schmithuysen einen Schuss ins Knie und stürzte zur Erde. Handgranaten wurden vom ersten Stock heruntergeschleudert. Panzergranaten schlugen ein, von der Bäckerei Goossens aus peitschten MG-Schüsse über den Platz. An ein Löschen war nicht mehr zu denken. Daher trugen die Männer den Schwerverwundeten in die Küche, wo das Bein notdürftig abgebunden wurde. Sein Vater, der dem Feuerlöschtrupp angehörte, riss sich die Uniform vom Leib und wollte trotz allen Abratens versuchen, den Arzt Dr. Macke herbeizuholen. Er kam jedoch nur bis zur Haustür. Eine Geschoßgarbe streckte ihn nieder. Als man Herbert Schmithuysen am nächsten Morgen zum Krankenhaus durchschleusen konnte, war es bereits zu spät. So opferten zwei tapfere Schiefbahner Bürger, Feuerwehrleute, Vater und Sohn, ihr Leben für den Schutz des Gutes ihrer Nachbarn, in Erfüllung ihrer Pflicht als Feuerwehrleute. Eine Ironie des Schicksals wollte es, dass der Arzt in dieser Nacht sich nicht in seiner Praxis befand, sondern von den Amerikanern in einem Haus gleich gegenüber dem brennenden Hof festgehalten worden war! Mit dem Einmarsch der Amerikaner, die am nächsten Tag Schiefbahn endgültig besetzten, war die Stunde Null eingetreten - auch für die Schiefbahner Freiwillige Feuerwehr. Ein leichtes Löschgruppenfahrzeug mit einer tragbaren Kraftspritze und einem Einachsanhänger, 1943 erst angeschafft, verbrannte beim Einmarsch der Amerikaner, ein zweites Mercedes-Löschfahrzeug, 1941 beschafft, wurde von den Amerikanern so demoliert, dass es nicht mehr betriebsfertig war. Im II. Weltkrieg sind folgende aktiven Feuerwehrleute gefallen oder gelten als vermisst: Peter Klomps, Jakob Lingen, Heinrich Mylius und Wienand Breitmar; von den Jungen, die als Feuerwehrhelfer Dienst getan hatten, kehrten Toni Engels, Franz Kivelitz, Willi Knuppertz, Heinz Rust und Karl Steinfels nicht mehr zurück. Viele Feuerwehrleute gerieten in Gefangenschaft, kamen erst Jahre später nach Schiefbahn zurück.
 
5. Der Wiederaufbau der Freiwilligen Feuerwehr nach dem II. Weltkrieg
 
Anton Bertzen stand 1945 vor einer kaum zu lösenden Aufgabe; viele aktive Mitglieder waren aus dem II. Weltkrieg noch nicht heimgekehrt, eine Reihe Feuerwehrleute traten, belastet durch frühere Tätigkeiten im 3. Reich, aus der Wehr aus. So lag die Chance für einen Neuaufbau nur in der Werbung neuer junger Mitglieder diesen einzig möglichen Weg ging der alte und neue Wehrleiter konsequent, so dass nach rund zwei Jahren bereits wieder eine schlagkräftige Wehr zur Verfügung stand. Eine neue Motorspritze, Gerät und Ausrüstung wurde der Wehr zur Verfügung gestellt und - ein Kuriosum - die gesamte Feuerwehr bekam neue Uniformen in englischem Schnitt! Für das 60jährige Stiftungsfest am 14. September 1947 wurde tüchtig geübt. Zu Ehren der Schiefbahner Feuerwehr hatte Kreisbrandmeister Neumann ein Kreisfeuerwehr-Verbandstreffen mit dem Jubiläum verbunden, das einen glänzenden Verlauf nahm. Es war dies die erste größere Feuerwehrveranstaltung im Regierungsbezirk Düsseldorf nach dem 11. Weltkrieg; seine Bedeutung wurde durch die Anwesenheit hoher britischer Besatzungsoffiziere wie des Kreisresidenten Oberstleutnant T. C. Crichton und des Feuerschutzoffiziers Major Young sowie Vertretern des gerade neugeschaffenen Landes Nordrhein-Westfalen unterstrichen. Die Übungen auf dem Sportplatz, wo man für Steigerübungen eigens einen besonderen Behelfs-Steigerturm erbaut hatte, fanden das Interesse des ganzen Dorfes. Am 28.6.1948 starb Anton Bertzen, zu seinem Nachfolger wurde Matthias Breitmar gewählt, der die Freiwillige Feuerwehr bis zum Jahre 1974 führte. Matthias Breitmar setzte - wie sein Vorgänger - auf die Jugend, die er zu einer schlagkräftigen Wehr zusammenfügte. Als man 1957 das 70jährige feierte, war die Schiefbahner Wehr die jüngste des ganzen Landkreises! Im Mai 1949 konnte ein neuer Steigerturm an der Nordseite der Hubertus-Schule eingeweiht werden; 1950 erhielt die Wehr wieder neue blaue Uniformen. Unmittelbar nach dem Krieg hatte die Feuerwehr schon 1945 an eine alte Tradition angeknüpft, als sie für die Kinder die Martinsfeiern organisierte, unvergessen Gerhard Franken als St. Martin und Jakob Helten als armer Mann. Zahlreiche Feuerwehrleute waren damals 25 Jahre und länger Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, so etwa 1947 Anton Bertzen, der auf eine 40jährige Mitgliedschaft zurückblicken konnte. 1953 waren Matthias Esser, Matthias Pauen, Willi Helten und Matthias Breitmar 25 Jahre dabei. Der Regierungspräsident verlieh am 5.11.1955 folgenden Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr Schiefbahn das Feuerwehr-Ehrenzeichen: In Gold: Peter Feiter, Wilhelm Geiger, Josef Görtz, Hubert Haas, Jakob Leenen und Hermann Schröck; in Silber: Johann Brocker, Johann Leven. Diese Ehrenzeichen wurden den Jubilaren am 14.1.1956 in einer Feierstunde überreicht. Am 25. November 1961 erhielt Jakob Helten für treue Dienste in der Wehr das Feuerwehr-Ehrenzeichen in Silber. Wenn auch dank der ständigen Bereitschaft und Wachsamkeit der Feuerwehr keine größeren Brände zu verzeichnen waren, so war die Feuerwehr doch immer in den verschiedensten Bereichen gefordert. So meldete beispielsweise der Jahresbericht 1953 16 Einsätze und 26 Übungen, in Stunden umgerechnet machte das immerhin 1524 Stunden aus. Dazu kamen zahlreiche Empfänge, Umzüge, Jubiläen usw., so dass das Jahr für die Wehrmänner schon ausgefüllt war. Im Februar 1954 gab es ein Jubiläum besonderer Art: Seit 65 Jahren hatte die Freiwillige Feuerwehr damals im Alten Brauhaus ihr Stammquartier; das war Anlass, die Wirtin, "Stammes-Mutter", gebührend zu feiern. Das gute Verhältnis zwischen Feuerwehr und Altem Brauhaus, dessen früherer Wirt Peter Tillmanns selbst lange Jahre Brandmeister der Schiefbahner Wehr gewesen war, wurde in den vielen Festreden gebührend hervorgehoben. Der Fahrzeugbestand wurde 1956 durch die Anschaffung eines großen LF-8-Mannschafts- und Gerätewagens mit Anhänger weiter gesteigert, 1964 kam ein TLF-16-Tanklöschfahrzeug mit 2400 Liter-Wassertank dazu. Bis zum Jahre 1965 hatte die Schiefbahner Feuerwehr ihre Geräte und Fahrzeuge in einem behelfsmäßig hergerichteten Schuppen auf dem Gelände des Rathauses untergebracht. Auf die Dauer wurde der Raum viel zu klein und der Notschuppen befand sich in einem derart schlechten baulichen Zustand, dass eine pflegliche Unterbringung, Aufbewahrung und Behandlung der Feuerlöschfahrzeuge und der Gerätschaften nicht mehr gewährleistet war. Lange gingen die Überlegungen hin und her, wie man an ein neues Gerätehaus kommen könnte. Der entscheidende Durchbruch gelang 1961, als die Geschwister Leven der Gemeinde ein geeignetes Grundstück zur Errichtung eines neuen Feuerwehrgerätehauses am damaligen, heute Straße "Am Steigerturm", Herzogenweg zur Verfügung stellten. Johann Leven war selbst langjähriges Mitglied der Feuerwehr gewesen. Planung und Bauleitung lagen in der Hand des Schiefbahner Architekten Wolfgang Samland, als man im Jahre 1962 mit dem Bau begann. Das moderne und allen Erfordernissen entsprechende neue Gerätehaus besteht aus einem zweigeschossigen Hauptbaukörper, der im Erdgeschoß zwei Wagenhallen, eine Werkstatt sowie Toiletten- und Waschanlagen, im Obergeschoß einen Versammlungsraum, eine Kleiderkammer und eine Wohnung für den Gerätewart enthält, angegliedert sind ein eingeschossiger Baukörper mit zwei Wagenhallen und ein Steigerturm. Am 17. Juli 1965 wurde das Gerätehaus feierlich eingeweiht und der Freiwilligen Feuerwehr Schiefbahn übergeben. Die Schiefbahner Feuerwehr hatte nun ein bleibendes und würdiges Domizil gefunden, die Nachkriegsentwicklung war endgültig abgeschlossen, eine schlagkräftige Wehr stand den Schiefbahnern zur Verfügung.
 
6. Die moderne Schiefbahner Feuerwehr
 
In den 60er Jahren rundete sich das Bild der Freiwilligen Feuerwehr Schiefbahn zu einem noch vielseitigeren Engagement ab: Mit der Anschaffung eines Krankentransportwagens, später eines weiteren Einsatzwagens wurden neue Aufgabengebiete integriert, die für die Vielseitigkeit der modernen Wehr stehen. Im Jahre 1968 folgte dann auch eine organisatorische Konzentrierung der Vorstandskräfte. Eine neue Wehrführung sah an der Spitze den Wehrleiter Breitmar, seinen Stellvertreter Karl Kothen, den Schriftführer Peter Güttes, der wenig später viel zu früh verstarb, und den Gerätewart Horst Agurski, der auch zugleich den Krankenwagen fuhr. Ganz allmählich steigerte sich die Aktivenzahl von 1959 an, wo man noch 24 Aktive hatte, bis 1966 auf 30 Mitglieder und 10 Jahre später auf etwa 35 Aktive. Eine Reihe weitere Jubiläen stellten langjährige Treue verschiedener Mitglieder zur Freiwilligen Feuerwehr unter Beweis; so waren 1966 Albert Bertzen, Franz Dohmen und Willi Mehlem 25 Jahre dabei. 1968 wurde dem langjährigen Oberbrandmeister M. Breitmar das Deutsche Feuerwehrehrenkreuz Il. Stufe verliehen - eine einmalige Auszeichnung für einen Schiefbahner Feuerwehrmann! 1969 feierte Wehrleiter Breitmar sein 40jähriges Jubiläum und Peter Tissen erhielt im gleichen Jahr das Feuerwehrehrenkreuz in Silber. Durch die Kommunale Neugliederung zum 1.1.1970 entstanden unter Eingliederung der bis dahin kreisfreien Stadt Viersen im neuen Kreis Viersen 8 Städte und Gemeinden; die bis zu diesem Zeitpunkt selbständigen Wehren der früheren Gemeinden mussten zu 8 Gesamtwehren zusammengefasst werden. Im Rahmen dieser Zusammenlegung, die zugleich auch Geburtsstunde der neuen Stadt Willich mit ihren früheren vier selbständigen Gemeinden Anrath, Neersen, Schiefbahn und Willich war, ging auch die Eigenständigkeit der Schiefbahner Wehr zu Ende. Von diesem Zeitpunkt an war die Freiwillige Feuerwehr Schiefbahn einer der vier Löschzüge der neuen Stadt. Für diese Zusammenfassung unter einem verantwortlichen Gesamt-Wehrleiter sprach, dass es im Feuerschutz darauf ankommt, dass Hilfe schnell geleistet wird. Denn nicht nur der Meldeweg muss kurz sein, sondern die Wehren müssen kurzfristig alarmiert werden können. Die Anfahrt zur Einsatzstelle darf nicht lang sein. Das war in der neuen großflächigen Stadt Willich am besten dadurch zu erreichen, dass die bestehenden Wehren als Feuerlöschzüge an ihrem bisherigen Standort belassen wurden. Darüber hinaus wurde allerdings auch die Einrichtung einer ständig besetzten Feuerwache in Willich notwendig. Bis zum Jahre 1974 leitete Matthias Breitmar den Schiefbahner Löschzug. Nachdem er 25 Jahre Wehrleiter bzw. Löschzugführer gewesen war, erfolgte dann ein Wachwechsel. Horst Agurski leitet seither den Löschzug Willich 3 - Schiefbahn, sein Stellvertreter wurde Herbert Mertens. Der wohl größte Einsatz der Schiefbahner Wehr erfolgte im August 1976, als man am 22. August alarmiert wurde und erst nach einem Einsatz von 592 Stunden (!) wieder nach Schiefbahn zurückkehrte. Wie der Chronist damals festhielt, wird dieser Einsatz als der große "Brüggener Waldbrand" in die Geschichte der Löschzüge des Kreises Viersen eingehen. Das gesamte Waldareal zwischen Brüggen und Schwalmtal an der niederländischen Grenze stand damals tagelang in Flammen. Von den vielen Einsätzen, die die Feuerwehr zu bewältigen hatte und die größeres Unheil in den meisten Fällen verhindern konnte, ist allerdings ein Alarm besonders erwähnenswert: Ein örtlicher Großeinsatz sah die Feuerwehr am 2. März 1977 beim Brand der katholischen Kirche St. Hubertus. Im erst 1965 fertig gestellten Seitenschiff der Pfarrkirche aus dem Jahre 1855 war nachmittags ein Brand ausgebrochen, und zwar in einem Beichtstuhl; ein großer Teil des Innenraums ging in Flammen auf. Der Schaden wurde auf mindestens 500000 Mark geschätzt. Nur der blitzschnelle Einsatz der Schiefbahner Feuerwehr, die mit Atemschutzgeräten vorgehen musste, konnte eine noch größere Brandkatastrophe verhindern. In neuester Zeit hat man sich bemüht, durch die Werbung passiver Mitglieder das Interesse an der Feuerwehr, aber auch die Kassenlage zu verbessern. Inzwischen hat so die Mitgliederzahl des Löschzuges die 400er Grenze überschritten. 1986, also im Jubiläumsjahr, beträgt die Zahl der Aktiven 37 Feuerwehrleute, dazu kommen 6 Kameraden der Ehrenabteilung und weitere rund 400 passive Mitglieder. In vielen Bereichen ist die Schiefbahner Wehr aber auch dabei, wenn es gilt, heimatliches Brauchtum, gesellschaftliche Veranstaltungen mitzugestalten: St. Martin - Fest und "Beiern" wurden bereits erwähnt, aber dass seit 1949 der Schützenzug "Gut Wehr" das Schiefbahner Schützenfest bereichert, dass aus den Reihen der Feuerwehr nach dem Krieg allein 11 Schützenkönige hervorgingen (!), dass man sich in den 60er Jahren aktiv am Karneval beteiligte, dass Feuerwehrleute auch beim Volksradfahren mitmachen, dass sich schließlich die Feuerwehr an den Kinderferienspielen beteiligt - dass alles sollte nicht unerwähnt bleiben und rundet das Bild einer modernen, aufgeschlossenen Wehr ab. Aber noch immer gelten auch in der modernen Feuerwehr des Jahres 1986 die Maximen, die sich die Freiwillige Feuerwehr rund 60 Jahre zuvor anlässlich ihres Festkommers setzte und die in dem damals mit viel Inbrunst gesungenen "Lied von der deutschen Feuerwehr" ihren Widerhall fanden:
 
"In Ost und West, in Süd und Nord soll gelten stets die Lehre:
"Zu Gottes Ehre, Tat und Wort und zu des Nächsten Wehre."
Und mögen zu des Bürger Nutz, die Deutschen Feuerwehren
sich unter unseres Gottes Schutz, erhalten und vermehren.
Und loht zum Himmel hoch die Glut, und flackern hell die Flammen,
dann kommen wir mit deutschem Mut, und stehen treu zusammen.
Dann fällt uns keine Arbeit schwer, dann scheun wir keine Mühe.
Hoch unsre deutsche Feuerwehr, sie lebe, wachse, blühe!"
 
Ludwig Hügen