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Geschichte eines Löschfahrzeuges

Liebe Leser,

hier lesen Sie nun die Geschichte eines ganz besonderen Jubilars. Zunächst möchte ich mich vorstellen. Ich bin ein Elefacht und heiße "Florian Willich 3 LF1". Was das bedeutet, erkläre ich Ihnen später. Ich wurde 1986 in Ulm gebaut und pünktlich zum 100-jährigen Bestehen des Löschzuges Schiefbahn in Dienst gestellt. Naja, ganz so einfach und schnell ging das nicht ab. Man suchte Ersatz für meinen Vorgänger, ein Opel Blitz. 

Nach reiflicher Überlegung und Besichtigung mehrere potentieller Bewerber für den Job eines Elefacht, wurde ich zum Wunschkandidaten ernannt. Nach erfolgter Ausschreibung ging der Auftrag auch tatsächlich an meine Erfinder, an die Firma Magirus in Ulm. Dort wurde ich im Sommer 1985 wunschgemäß gebaut. Am 26.06.1985 war es dann soweit, eine Delegation aus Schiefbahn kam nach Ulm um mich abzuholen. Schon die Überführung in meine neue Heimat Schiefbahn verlief sehr interessant, es gab noch keine Mobiltelefone und so ging so mancher geplanter Pausenstopp in die Hose. Gott sei Dank war das aber nur auf der Überführungsfahrt so, seither läuft alles in geregelten Bahnen. In geregelten Bahnen geht es bei der Feuerwehr am besten mit Gottes Segen. Deshalb wurde ich am 19. September 1985 von Pater Andre eingesegnet und feierlich meiner neuen Aufgabe zugeführt. Mann, das war eine super Fete. Es gab Essen und Trinken für alle und alles nur meinetwegen. 

LF8 Einsegnung 1

Dann ging es an die Arbeit. Ich war damals jung und schön, alle wollten mich kennenlernen, ich wurde zu allen Lehrgängen im ganzen Kreis Viersen mitgenommen. Wahnsinn. Und dann, 1886 das große Fest zum 100-jährigen Bestehen meines Löschzuges. Der Düvel war der Älteste aus unseren Reihen und durfte vorweg fahren und ich als Newcomer war das glänzende Schlusslicht am Ende des Festzuges. Das war ein riesiges Erlebnis. Zu Hause in Schiefbahn war es überhaupt nie langweilig, jede Menge Übungen und Einsätze mussten absolviert werden und seit der Gründung der Jugendfeuerwehr der Stadt Willich 1996 stehe ich mit meiner Ausrüstung auch den jungen Feuerwehrleuten zur Verfügung.

Apropos Ausrüstung. Rein optisch wirke ich gegen die dicken Brummer der neuesten Generation ja schon ein wenig schmächtig aber das täuscht gewaltig. Denn meine inneren Werte können sich sehen lassen. Ich biete neun Feuerwehrmännern Platz, habe zwei tollen Pumpen die jeweils mehr als 800 Liter in der Minute pumpen können, über 800 Meter Schlauch lagern in mir, dazu die passenden Armaturen und Strahlrohre, eine Motorsäge, ein Stromaggregat mit Beleuchtungsgeräten, ein Motorschleifer und eine Tauchpumpe, vier Atemschutz-Geräte, eine lange Leiter und vieles mehr. Mit meiner Ausrüstung haben die Schiefbahner Feuerwehrmänner schon so manche Schlacht in Schiefbahn, in unserer Stadt oder im Kreis Viersen geschlagen. Ja sogar bei der Hochwasserkatastrophe in den Niederlanden im Jahr 1995 war ich tagelang aktiv dabei. Da staunte so manch einer, was ich alles drauf habe.

              

Auch zum jährlichen Leistungsnachweis bei dem die Feuerwehrleute ihre Leistung unter Beweis stellen müssen, muss ich mit. Meine großen Kollegen müssen die Stellung halten und ich darf mit zum großen Ereignis.

Wie sie lesen, hab ich schon ‘ne ganze Menge geleistet und jetzt genug zu tun. Und weil ich seit mehr als 25 Jahren treu meinen Dienst leiste und niemals ernsthaft krank war, haben die Jungs mir diesen Bericht gewidmet. Klasse, nicht wahr.

Und bei dieser Gelegenheit möchte ich mich dann auch bei meinen Pflegern bedanken. Die Gerätewarte pflegen mich wirklich ausgezeichnet, es fehlt mir an nichts. Damit ich auch weiterhin im Glanz erstrahle, werd ich regelmäßig geduscht und abgeschmiert. Tolle Sache. 

Gut, hier und da hab ich schon mal ne Schraube locker aber das ist meist schnell gerichtet.

Bevor ich nun zum Ende komme, noch schnell die Erklärung meines Namens "Florian Willich 3 LF1". Alle Feuerwehrfahrzeuge sind mit einem Funkrufnamen gekennzeichnet. Diese besagen, aus welcher Stadt man kommt, welchen Fahrzeugtyps man ist und das wievielte dieses Fahrzeugtyps man an einem Standort ist. Diese Bezeichnungsart ist überall in Deutschland gleich, damit die Führungskräfte schon über Funk erkennen können welches Fahrzeug da anrollt und was man damit tun kann. Also, ich bin in der Stadt Willich wohne, dafür steht "Willich" und dass ich in Schiefbahn zu Hause bin besagt die "3".  Ich bin ein Löschgruppenfahrzeug was durch das "LF"  signalisiert wird. Die "1" ist meine laufende Nr. 

Jetzt wollen Sie sicher noch wissen, was Elefacht bedeutet. So nennen die Jungs mich. Richtig geschrieben werde ich LF8. Das ist eine Normbezeichnung für ein Löschgruppen-Fahrzeug dessen Pumpe mindestens 800 Liter Wasser in der Minute mit einem Druck von mindestens 8 Bar pumpen muss. So, jetzt wisst ihr halbwegs genau Bescheid. Wenn Ihr noch mehr über mich und meine Kollegen erfahren wollt, dann kommt doch ganz einfach bei uns in Schiefbahn am Steigerturm vorbei. Ach so, wir sind keine Feuerwache d.h., es wacht hier niemand ständig.Deshalb bitte einfach den Löschzugführer anrufen, der öffnet dann wahrscheinlich Tür und Tor.  

Bis dahin,
Ihr Elefacht